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Everybody supports women until…

Ehrliche Gedanken über Trigger, weibliche Freundschaften, Sichtbarkeit und die Frage, ob wir das, worüber wir sprechen, auch wirklich leben.

Eine Art Selbstbeobachtung

Ich glaube, das hier ist weniger ein fertiger Gedanke als eine Art Selbstrecherche. Eine Beobachtung, die ich wahrscheinlich schon seit meiner Kindheit mit mir herumtrage und der ich jetzt zum ersten Mal wirklich bewusst Aufmerksamkeit geben möchte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ohne moralische Überlegenheit. Eher als Versuch, etwas ehrlich zu Ende zu denken bzw. damit zu starten, das ich in weiblichen Freundschaften, Netzwerk Räumen und auch in mir selbst immer wieder beobachtet habe.

Wie ehrlich sind unsere Netzwerk Räume wirklich?

Ich habe nach langer Zeit mal wieder LinkedIn geöffnet und innerhalb weniger Minuten zwei Dinge gesehen, die mich endlich über etwas haben nachdenken lassen, das wahrscheinlich schon lange überfällig war. Zur Darstellung nur eines davon. Das eine war eine Frau, mit der ich vor nicht zu langer Zeit unglaublich engen Austausch hatte über Selbstständigkeit, Muttersein, Ehe, eben diese langen Gespräche über Ideen, Ängste, Visionen, Selbstzweifel, all das, was passiert, wenn man versucht, sich ein Leben aufzubauen, das wirklich dem eigenen Inneren entspricht. Und irgendwann hat sie mich komplett geghostet. Monate später kam dann die Erklärung: Der Kontakt mit mir würde sie triggern. Alles bei mir wirke immer so ästhetisch, so bewusst, so klar und sie habe sich danach oft schlecht gefühlt.

Was mich aber eigentlich beschäftigt hat, war nicht einmal das (ich schätze Ehrlichkeit und Mut). Sondern die Tatsache, dass genau diese Frau heute laut über Networking, Community und gegenseitigen Support spricht und selbst Netzwerk Events organisiert. Und ich saß da plötzlich mit einer ganz anderen Frage: Wie ehrlich sind eigentlich viele dieser Räume wirklich? Wie ehrlich kann ein Raum über Verbindung sprechen, wenn man es emotional kaum schafft, jemanden neben sich auszuhalten, sobald dessen Leben etwas in einem selbst berührt?

Die Diskrepanz zwischen dem, was wir sagen und dem, was wir fühlen.

Denn gerade online reden wir permanent darüber, wie wichtig Community ist, wie wichtig es ist, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen, sich gegenseitig empowern, sich gegenseitig sichtbar machen. Aber leben wir das wirklich? Oder lieben wir mehr die Idee davon? Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass irgendeine Frau sich vollständig von Neid, Vergleich oder Konkurrenz freisprechen kann. Ich zumindest nicht. Und ich halte das auch nicht für das Problem. Das Problem ist für mich eher, wie wir damit umgehen. Ob wir in der Lage sind, ehrlich mit uns selbst zu sein, wenn jemand etwas in uns auslöst. Denn natürlich gibt es Menschen, die etwas verkörpern, wonach wir uns selbst sehnen. Eine gewisse Freiheit. Sichtbarkeit. Schönheit. Mut. Klarheit. Vielleicht sogar einfach die Fähigkeit, sich zu trauen. Und manchmal bewundern wir Menschen genau für das, was uns gleichzeitig unbequem fühlen lässt. Die eigentliche Frage ist doch: Können wir trotzdem offen bleiben? Können wir jemanden weiter unterstützen, obwohl sein Leben gerade etwas in uns berührt? Oder ziehen wir uns zurück, werden still konkurrenzorientiert oder beginnen subtil zu entwerten, ohne es selbst wirklich zu merken? Werden wir passiv aggressiv? Oder schaffen wir es irgendwann, ehrlich zu uns selbst zu sein und zu sagen: Interessant, warum bewegt mich das eigentlich so sehr? Denn meistens hat das viel weniger mit der anderen Person zu tun.

“Everybody supports women until…”

Sofia Isella singt in ihrem Song: “Everybody supports women until a woman’s doing better than you.” Nachdem ich dieses Lied gehört habe, ist es mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Darin steckt etwas, worüber wir viel ehrlicher sprechen müssten. Menschen können Schmerz oft besser begleiten als Wachstum. Wir können jemanden auffangen, wenn er zerbricht. Aber können wir jemanden wirklich halten, wenn er sichtbarer wird? Erfolgreicher? Klarer? Schöner? Freier? Was passiert, wenn jemand beginnt, sich selbst ernst zu nehmen? Wenn aus einer Idee plötzlich Realität wird? Wenn aus Unsicherheit plötzlich Präsenz wird?

Support spürt man

Ich habe darüber in letzter Zeit viel nachgedacht, auch weil Support mittlerweile oft unglaublich performativ geworden ist. Diese ganzen öffentlichen Aussagen über Female Empowerment, gegenseitiges Pushen, Community over competition - was ich für extrem extrem wichtig halte. Gleichzeitig beobachte ich aber oft etwas völlig anderes. In meinem echten Offline Leben.

Online sehe ich Aussagen wie: „Wenn deine Freundin deine Beiträge nicht liked, dann supportet sie dich nicht wirklich.“ Ehrlich gesagt fühlt sich das für mich nach einer sehr internetgetriebenen Vorstellung von Loyalität an. Wenn es danach gehen würde, müsste ich mich wahrscheinlich von meinem Mann scheiden lassen.

Mich interessieren Likes nicht. Mich interessiert viel mehr, wie jemand im echten Leben präsent ist. Ob jemand dich weiterempfiehlt, wenn du nicht im Raum bist. Ob jemand an dich denkt, wenn sich eine Möglichkeit ergibt. Ob jemand deine Ideen halten kann, während sie noch klein, unfertig und verletzlich sind, ohne sofort den eigenen Selbstwert daran zu messen. UND wie spricht jemand über andere Frauen, wenn sie nicht anwesend sind. Es gibt so viele Parameter, die bedeutender sind als ein f*** Like.

Support spürt man. Ein Blick verrät oft mehr als Worte. Ich hatte das schon so oft, dass ich etwas erzählt habe - eine Idee, eine Vision, etwas, das gerade erst entsteht und noch gar nicht bewiesen ist - und ich sofort gemerkt habe, wie sich die Dynamik verändert. Nicht einmal unbedingt böse. Eher dieses subtile Zusammenziehen. Dieses kaum sichtbare Unwohlsein. Und Monate oder Jahre später erzählen Menschen dir dann plötzlich, dass sie sich damals von dir getriggert gefühlt haben. Dass sie sich verglichen haben. Dass sie sich schlecht gefühlt haben. (Das Schlimmste: Während man sich selbst hinterfragt hat.)

Wären unsere Beziehungen ehrlicher?

Und ich denke mir gerade: Vielleicht wären unsere Beziehungen ehrlicher, wenn wir genau darüber viel offener sprechen würden. Denn Trigger sind nicht das Problem. Konkurrenzgefühle sind nicht das Problem. Neid ist nicht das Problem. Das Problem ist eher, dass viele Menschen nie gelernt haben, bewusst damit umzugehen. Statt wirklich hinzusehen, wird dann oft subtil entwertet, Abstand aufgebaut oder eine Art unsichtbarer Wettbewerb eröffnet, den offiziell natürlich niemand zugeben würde.

Und vielleicht ist genau deshalb auch vieles in dieser modernen Selbstständigkeits Bubble (und natürlich nicht nur dort) so seltsam. Weil wir ständig über Verbindung sprechen, während gleichzeitig unglaublich viel Vergleich, Projektion und Unsicherheit im Raum stehen. Weil viele Menschen andere nur so lange feiern können, wie deren Wachstum das eigene Selbstbild nicht berührt.

Ehrlicher Support

Gleichzeitig merke ich aber auch, wie dankbar mich diese Erkenntnis macht. Weil ich heute viel klarer sehe, welche Frauen wirklich da sind. Und interessanterweise sind das oft nicht einmal die lautesten. Nicht die, die jeden Beitrag kommentieren oder öffentlich ständig von Support sprechen. Sondern die, die mich auf ihre eigene Art sehen. Die an mich denken. Die mich empfehlen. Die zuhören. Die nicht alles verstehen müssen, um trotzdem ehrlich supportive zu sein.

Ich gebe zu, ich habe mich sehr bewusst sehr lange mit mir selbst beschäftigt und werde es bis an mein Lebensende tun. Mit meinem Selbstwert. Mit meinem Weg. Mit der Frage, wie ich aufhören kann, mein Leben ständig mit anderen zu vergleichen. Wie ich wirklich verstehe, dass wir nicht vergleichbar sind. Dass genug Raum für alle da ist. Und ehrlich gesagt finde ich es bis heute etwas unglaublich Schönes, jemanden wachsen zu sehen und sein Potenzial leben zu sehen. Genau deshalb mache ich heute überhaupt das, was ich mache. Natürlich habe ich selbst noch SO VIEL zu lernen und wie ich es ‚besser‘ machen kann. Aber dieser leicht fade Beigeschmack bei jedem neuen Netzwerk Event bleibt trotzdem irgendwie.

Vielleicht genau dann, wenn die Worte lauter sind als die Taten. Wenn permanent von Support gesprochen wird, aber das Verhalten eine völlig andere Sprache spricht.

Diese Energie könnte doch für echtes Empowerment genutzt werden

Und eine Frage, die mir abschließend immer wieder kommt und mit der Female Support für mich eigentlich beginnt: Bin ich selbst die Art von Frau, die starke, sichtbare und empowerte Frauen wirklich neben sich halten kann? Ohne sofort in Vergleich zu gehen. Ohne mich selbst kleiner zu fühlen. Ohne subtil innerlich zu konkurrieren.

Für mich beginnt Female Support bei mir selbst. Bei der bewussten Auseinandersetzung mit meinem eigenen Selbstwert. Mit der Fähigkeit, ehrlich hinzuschauen, wenn bestimmte Frauen etwas in mir auslösen. Wenn mich bestimmte Sichtbarkeit triggert. Bestimmte Klarheit. Bestimmte Freiheit. Und diese Gefühle nicht sofort nach außen zu projizieren, sondern als Information zu nutzen. Als Möglichkeit, mehr über mich selbst zu verstehen.

Denn je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau dort unglaublich viel Energie verloren geht, die eigentlich für echtes Empowerment genutzt werden könnte.

Und genau deshalb empfinde ich diesen Support viel komplexer, als wir ihn (online) oft darstellen.

„ […] Everybody supports women

‘Til a woman’s doing better than you

Everybody wants you to love yourself until you actually do

It was something about her hair […]